Wir dürfen die Schülerinnen und Schüler nicht alleinlassen

Die Diskussion um die in Ludwigshafen hat inzwischen eine Dimension erreicht, bei der aus Sicht der Revolutions Allianz Deutschland vor allem eines nicht vergessen werden darf: Hinter jeder Schlagzeile stehen junge Menschen.

Wir halten es für falsch, eine gesamte Schule und damit hunderte Schülerinnen und Schüler pauschal zu stigmatisieren, wenn es an einer Schule zu Konflikten und einzelnen gravierenden Vorfällen kommt.

Nach den uns vorliegenden Berichten sollen sich zahlreiche Pädagoginnen und Pädagogen krankgemeldet haben. Sollte sich bestätigen, dass dadurch Unterricht und pädagogische Betreuung in erheblichem Umfang ausfallen, muss darüber gesprochen werden, wie die Schülerinnen und Schüler in dieser Situation aufgefangen werden können.

Krankheit ist eigentlich keine Ausrede. In diesem Fall wirkt es jedoch wie eine Ausrede: 17 Pädagoginnen und Pädagogen melden sich geschlossen krank, ziehen sich damit aus ihrer Verantwortung zurück und lassen Schülerinnen und Schüler mit ihren Problemen allein. Wenn tatsächlich eine derartige kollektive Krankmeldung erfolgt ist, stellt sich für uns die Frage, ob hier nicht gerade diejenigen im Stich gelassen werden, die Unterstützung, Orientierung und Bildung brauchen. Pädagogische Verantwortung bedeutet auch, in schwierigen Situationen nicht einfach den Rücken zu kehren, sondern gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Wir wollen nicht verurteilen – wir wollen zuhören.

An einer Schule mit rund 800 Schülerinnen und Schülern treffen täglich hunderte unterschiedliche Menschen aufeinander. Streit, Auseinandersetzungen und kleinere Konflikte können vorkommen. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Gewalt oder Mobbing akzeptiert werden dürfen. Im Gegenteil: Wo Grenzen überschritten werden, muss gehandelt werden.

Aber ebenso wichtig ist die Frage: Was passiert danach?

Wenn aus jedem Konflikt eine neue Schlagzeile wird, besteht die Gefahr, dass nicht mehr über Lösungen gesprochen wird, sondern nur noch über den vermeintlichen „Skandal“. Für die Schülerinnen und Schüler kann das erhebliche Folgen haben. Sie dürfen nicht das Gefühl bekommen, bereits aufgrund ihrer Schule oder einzelner Vorfälle in ihrem späteren Leben abgestempelt zu sein.

Unser Angebot: Eine Woche zuhören

Die Revolutions Allianz Deutschland bietet deshalb konkret ihre Unterstützung an.

Ich, Till Reichert und Team, biete an, eine Woche als Streetworker an der Schule mitzuarbeiten – nicht, um die dortigen Pädagoginnen und Pädagogen (wenn welche da sind) zu ersetzen, sondern um zusätzlich zuzuhören, Gespräche anzubieten und gemeinsam herauszufinden, wo die tatsächlichen Probleme liegen.

Denkbar wäre beispielsweise, für eine begrenzte Zeit einen Schwerpunkt auf Zusammenhalt, Zuhören, Konfliktlösung und gegenseitigen Respekt zu legen.

Nicht jede Lösung beginnt mit einer Sanktion.

Manchmal beginnt sie mit einem Gespräch.

Ich möchte mit Schülerinnen und Schülern sprechen, ihnen zuhören und herausfinden:

  • Wo liegen ihre Probleme?
  • Warum entstehen Konflikte?
  • Fühlen sie sich von Erwachsenen gehört?
  • Gibt es Schülerinnen und Schüler, die Angst haben, ihre Probleme anzusprechen?
  • Was wünschen sich die Jugendlichen selbst von ihrer Schule?
  • Und was können Erwachsene konkret verändern?

Keine Gewinnerzielung

Dieses Angebot erfolgt ausdrücklich nicht mit dem Ziel, daran Geld zu verdienen.

Sollte die Stadt Ludwigshafen das Angebot annehmen, würde ich lediglich die notwendigen Fahrtkosten sowie – falls eine Tätigkeit vor Ort über mehrere Tage erforderlich ist – eine angemessene Unterkunft, beispielsweise in einer Pension, erwarten.

Sollte auch das nicht möglich sein, werden wir prüfen, ob das Projekt durch Unterstützerinnen und Unterstützer auf Spendenbasis ermöglicht werden kann.

Denn Hilfe darf nicht davon abhängig sein, ob sich daraus ein Geschäft machen lässt.

Wir stehen an der Seite der Schülerinnen und Schüler

Die Revolutions Allianz Deutschland stellt sich nicht gegen Schülerinnen und Schüler.

Wir stellen uns an ihre Seite.

Das bedeutet auch, bei Problemen genau hinzuschauen. Mobbing, Gewalt und Einschüchterung dürfen nicht verharmlost werden. Gleichzeitig dürfen Jugendliche nicht pauschal als Problemfälle abgestempelt werden.

Wer junge Menschen ausschließlich verurteilt, wird ihre Probleme nicht lösen.

Wer ihnen zuhört, hat zumindest die Chance, etwas zu verändern.

Deshalb sagen wir an die Verantwortlichen: Nehmen Sie unser Angebot an. Lassen Sie uns gemeinsam eine Woche lang zuhören, reden und hinschauen.

Wir haben keine Angst vor schwierigen Gesprächen.

Wir haben keine Angst davor, dorthin zu gehen, wo andere vielleicht lieber wegschauen.

Und wir haben vor allem keine Angst davor, Jugendlichen zuzuhören.

Revolutions Allianz Deutschland – auf der Seite der Schülerinnen und Schüler.

Viva la Revolution.


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