Wenn Entschuldigungen durch Abmahnungen ersetzt werden
Liebes Klinikum Braunschweig,
euer aktuelles Vorgehen wirkt zunehmend widersprüchlich.
Oder anders formuliert: schwer nachvollziehbar.
Innerhalb von zwei Jahren hat sich bei euch die Geschäftsleitung so häufig geändert, dass offenbar niemand mehr genau weiß, was gestern galt – und was heute plötzlich nicht mehr gesagt werden darf.
Denn während es nach den im Dezember öffentlich gewordenen Homophobie-Vorfällen zunächst Entschuldigungen, Gesprächsangebote und Betroffenheitsbekundungen gab, scheint die aktuelle Linie eine andere zu sein.
Heute heißt es nicht mehr
„Wir nehmen das substanziell auf.“
Heute heißt es
„Unterlassen Sie diese Darstellung.“
Das ist bemerkenswert.
Zur Klarstellung:
Wir sprechen hier nicht über Hörensagen, Gerüchte oder Fantasiegeschichten.
Wir sprechen über persönliche Erlebnisse, die aus unserer Sicht diskriminierend waren und von weiteren Personen bestätigt wurden. Über Erfahrungen, die für die Betroffenen real waren, belastend und dokumentiert.
Statt sich mit dem Inhalt der Kritik auseinanderzusetzen, wird nun versucht, die Existenz der Kritik selbst zu problematisieren – einschließlich der Forderung, Betroffene mögen ihre eigene Lebensgeschichte, ihr Coming-out oder ihre persönliche Einordnung künftig nicht mehr öffentlich benennen.
Das ist kein professioneller Umgang mit Kritik.
Das ist ein Machtinstrument.
Wir halten fest:
Eine Abmahnung ersetzt keine Aufarbeitung.
Sie ersetzt kein Gespräch.
Und sie ersetzt erst recht keine Entschuldigung.
Im Gegenteil:
Der Versuch, Kritik juristisch zu deckeln, erzeugt zusätzliche Öffentlichkeit.
Team Kopfkrank ist kein Projekt, das man einschüchtert.
Wir sind keine PR-Kulisse, die man leise wieder abbaut, wenn sie unbequem wird.
Und wir sind ganz sicher kein Gegenüber, das schweigt, nur weil man ihm ein Schreiben schickt.
Wenn ihr Gegner wollt – ihr habt sie jetzt.
Nicht aus Prinzip.
Sondern aus Notwendigkeit.
Wir fordern:
eine transparente Aufarbeitung der geschilderten Vorfälle
eine einheitliche Kommunikationslinie, die nicht von Geschäftsleitungswechsel zu Geschäftsleitungswechsel kippt
und einen Umgang mit Kritik, der Respekt vor Betroffenen erkennen lässt
Was wir nicht akzeptieren:
Einschüchterung
Relativierung
oder der Versuch, persönliche Erfahrungen aus der öffentlichen Debatte zu verbannen
Wir lassen uns den Mund nicht verbieten.
Und wir wissen sehr genau, wie man sich wehrt.
Ihr habt die Wahl:
Dialog – oder weitere Eskalation durch Schweigen und Abmahnungen.
Wir sind vorbereitet.
Team Kopfkrank
Wir bleiben unbequem.
Zur Einordnung: Zusammenfassung der Homophobie-Vorfälle
Im Dezember kam es im Klinikum Braunschweig zu mehreren voneinander unabhängigen Vorfällen, die von den Betroffenen als homophob erlebt wurden.
Betroffen waren zwei unterschiedliche Personen aus unserem Umfeld, in zwei unterschiedlichen Situationen, mit zwei unterschiedlichen handelnden Personen.
Nach den ersten internen Hinweisen erfolgten Entschuldigungen per E-Mail.
Es wurde bestätigt, dass die Vorfälle an die zuständigen Stellen weitergeleitet wurden, darunter die Leitung des Transportdienstes sowie die medizinische Direktion.
Auch die Pressestelle entschuldigte sich im Namen des Klinikums.
Diese Kommunikation ist dokumentiert.
E-Mails und Unterlagen können vorgelegt werden.
Kurz darauf wurde der Vorfall erstmals öffentlich thematisiert.
Während wir auf einen zugesagten Termin für ein klärendes Gespräch warteten, folgte eine Abmahnung mit der Aufforderung, entsprechende Darstellungen zu unterlassen.
Wir stellen klar:
Es wurde nicht behauptet, dass das gesamte Klinikum oder alle Mitarbeitenden homophob seien.
Es wurden konkrete Erfahrungen geschildert.
Diese Erfahrungen können bezeugt und gegebenenfalls eidesstattlich versichert werden.
Eine Klarstellung, die genau diesen Punkt betonte, wurde bereits übermittelt.
Trotzdem folgten weitere rechtliche Schritte.
Wir halten fest:
Die Vorfälle wurden im Dezember eingeräumt.
Die Erlebnisse sind real.
Die erste Veröffentlichung bleibt bestehen.
Wir bieten weiterhin ein klärendes Gespräch an und erwarten eine klare Stellungnahme des Klinikums gegen Homophobie sowie eine Entschuldigung für die Vorfälle im Dezember.
Eine solche Stellungnahme würden wir ebenfalls veröffentlichen und den Vorgang anschließend als aufgearbeitet betrachten.
Bis dahin gilt:
Wir lassen uns das Wort nicht verbieten.
Team Kopfkrank
Wir schweigen nicht!

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