Hallo,

es tut mir leid, dass sich Team Kopfkrank so lange nicht gemeldet hat.
Die Wahrheit ist: Das Leben ist gerade alles andere als ordentlich.

Gesundheitlich geht es bei mir, bei Till, momentan drunter und drüber.
Bei Tim hat sich beruflich vieles verändert – und privat herrscht dort ebenfalls Chaos.
Und wie wir alle wissen:
Das Leben hält sich selten an Pläne.

Aber eines sage ich euch ganz klar:
Wir sind nicht weg.
Wir waren nie weg.

Schon damals hat Tim auf TikTok immer gesagt:
War das schon alles?
Und die Antwort war damals wie heute:
Nein. Das war noch lange nicht alles.

Heute ist etwas passiert, das ich mit euch teilen muss.
Weil es ein Zeichen ist.
Ein verdammt klares Zeichen.

Wie die meisten von euch wissen:
Ich bin schwul.
Ich habe mich mit 13 geoutet, mit 16 offiziell.
Ich bin seit fast 30 Jahren mit demselben Mann zusammen – meinem Ehemann.
Verheiratet. Punkt.

Momentan liege ich mit Verdacht auf Herzinfarkt im Krankenhaus.

Heute fragte mich ein Transporteur, wer mein Begleiter sei –
ob das mein Vater wäre.
Wir mussten beide lachen.
Ich sagte: Nein. Das ist mein Ehemann.

Daraufhin kam der Satz:
Er habe noch nie gehört, dass Männer heiraten dürfen.
Und dann:
Was das für eine Sauwelt sei.
Ob ich denn wüsste, welche Krankheiten wir alle verbreiten würden.

Ich sage es offen:
Da war Schluss mit freundlich.

Normalerweise ist das nicht mein Ton.
Ich habe ein dickes Fell.
Ich halte viel aus.

Aber ich weiß auch, wie es ist, jung zu sein.
Schwul zu sein.
Sich zu outen.
Und dann treffen solche Sätze Menschen mitten ins Herz –
und können sie zerstören.

Und nein, wir leben nicht mehr in den 50ern.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der selbst konservative Parteien homosexuelle Spitzen haben.
Und trotzdem passiert so etwas –
in einem Krankenhaus.
Von jemandem, der mit Menschen arbeitet.

Das ist nicht nur unaufgeklärt.
Das ist erbärmlich.
Erschreckend.
Und gefährlich.

Von der Justiz in Deutschland halten wir bekanntlich wenig.
Ich werde keine Anzeige stellen.
Aber den Namen öffentlich machen,
das Krankenhaus informieren
und diesen Vorfall sichtbar machen –
das ist mir ein großes Vergnügen.

Und jetzt höre mir bitte gut zu:

Wenn euch heute noch Ähnliches passiert,
wenn ihr wegen eurer sexuellen Orientierung, eurer Identität oder eures Seins diskriminiert werdet,
dann gilt eines:

Der Mensch, der euch angreift, ist nicht überlegen.
Er ist nicht stark.
Er ist nichts.
Gar nichts.

Und ihr seid nicht allein.

Ihr könnt euch jederzeit an Team Kopfkrank wenden.
Wir hören zu.
Wir geben euch eine Stimme.
Wir machen Dinge sichtbar.

Wir lassen uns nicht unterkriegen.
Nicht von Hass.
Nicht von Homophobie.
Nicht von Mobbing.

Wir stehen für Aufklärung.
Für Respekt.
Für Menschlichkeit.

Solange Team Kopfkrank eine Stimme hat,
wird Team Kopfkrank dagegen kämpfen.

Friedlich.
Aber kompromisslos.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein wunderschönes Wochenende.
Vielleicht schaffen wir es ja sogar, dieses Wochenende einen Podcast aufzunehmen.

Passt auf euch auf.
Alles erdenklich Gute.

Liebe Grüße
von Till –
und natürlich auch von Tim und Olli.

P.s. Das war ein deutliches Zeichen.
Ein Zeichen dafür, dass hier eine Grenze überschritten wurde.
Und nein – das war kein Missverständnis, kein Einzelfall und schon gar kein „dumm gelaufen“.

Das war ein Vorgang, den man sich nicht bieten lassen darf.
Nicht heute. Nicht morgen. Und nicht in einem Land, das sich Freiheit auf die Fahnen schreibt.

Wer Menschen mundtot machen will,
wer sie einschüchtert, klein hält oder ihnen signalisiert,
dass sie besser still sind,
der irrt sich gewaltig –
und zwar nicht nur moralisch, sondern historisch.

Denn jede echte Veränderung begann genau da:
bei Menschen, die gesagt haben „Nein. Bis hierhin – und keinen Schritt weiter.“

Man kann versuchen, Stimmen leiser zu drehen.
Man kann hoffen, dass Angst wirkt.
Man kann glauben, Macht ersetze Recht.
Spoiler: Hat noch nie funktioniert.

Und genau hier stehen wir.
Nicht laut aus Lust,
sondern laut aus Notwendigkeit.
Nicht aus Hass,
sondern aus Verantwortung.

Wenn Menschen so etwas widerfährt,
wenn sie sich ohnmächtig fühlen, übergangen, eingeschüchtert oder allein gelassen –
dann sind wir da.
Wir hören zu.
Wir machen sichtbar.
Und wir lassen niemanden alleine zurück.

Revolution heißt nicht Chaos.
Revolution heißt Haltung.
Revolution heißt, den Rücken gerade zu machen,
wenn andere sich wegdrehen.

Und ja – das ist unbequem.
Für manche sogar beängstigend.
Aber Freiheit war noch nie bequem.
Sie war immer unbequem für die,
die lieber bestimmen als zuhören.

Das hier ist kein Ausrutscher.
Das ist ein Wendepunkt.
Und wer jetzt glaubt, man könne das aussitzen,
der unterschätzt die Entschlossenheit von Menschen,
die nichts mehr zu verlieren haben – außer ihr Schweigen.

Wir stehen bereit.
Für jeden, dem so etwas passiert.
Ohne Vorbedingungen.
Ohne Wegsehen.
Ohne Maulkorb.

Denn eines ist sicher:
Den Mund verbieten lassen wir uns nicht.


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