Brot und Spiele ist vorbei – viel früher, als die Politik es sich gewünscht hätte. Während das Land langsam verreckt, durfte die Nationalmannschaft mal wieder als billiges Ablenkungsmanöver herhalten. Panem et circenses mit DFB-Logo.
1954 hieß es noch „Elf Freunde müsst ihr sein“. Heute sind es elf millionenschwere Egoisten, die nach dem Abpfiff als Erstes ihren Berater anrufen. Selbst die Neonazis haben diese Woche fleißig mitgegrölt, wie wichtig es doch sei, dass Deutschland bei der WM mitspielt. Herrlich.
Die Spieler interessiert der Adler auf der Brust schon lange nicht mehr. Die interessiert nur noch die Höhe der Prämie und der nächste dicke Vertrag. Patriotismus endet exakt dort, wo Manchester City oder ein Wüstenscheich winkt.
Aber der Fußball ist nur der Spiegel. Da, wo Mittelmaß für Deutschland schon zu viel ist, sind wir nicht nur im Sport angekommen – wir sind tief in der dritten Welt gelandet. Während die Hundertsten der Weltrangliste im Viertelfinale abfeiern, dürfen wir von der Couch aus zuschauen.
Und während wir uns fragen, wie tief man eigentlich noch sinken kann, stellt sich Kanzler Merz vor die Kameras und fordert mit Grabesmiene eine „ehrliche Bestandsaufnahme“. Ausgerechnet der. Der Mann, der zusammen mit seinem Komplizen Spahn jahrelang dabei zugeschaut hat, wie das Gesundheitssystem systematisch kaputtgespart und vor die Wand gefahren wurde. Das ist ungefähr so glaubwürdig wie ein Brandstifter, der eine Brandschutzbegehung leiten will.
Unser System ist in allen Bereichen komplett am Ende. Ganz besonders das Medizinwesen. Was uns, dem Team Kopfkrank und vielen Betroffenen in unserem Umfeld passiert ist, lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Vier Todesfälle, vier Betten, vier Ärzte – und trotzdem noch deutlich mehr Tote. Namen wie die Ärzte des Städtischen Klinikums Braunschweig und des Herzogin Elisabeth Hospitals (HEH) würden wir hier am liebsten sofort an die Wand nageln. Die Drecksarbeit dieser Mediziner muss endlich ans Licht.
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