Offener Brief an die Verantwortlichen der Karolina-Burger-Realschule und der Stadt Ludwigshafen

An die Verantwortlichen der Karolina-Burger-Realschule
Karolina-Burger-Straße 38–40
67065 Ludwigshafen am Rhein

sowie an die Stadt Ludwigshafen
Postfach 21 12 25
67012 Ludwigshafen

Betreff: Unser Angebot für die Schülerinnen und Schüler – Zuhören statt Verurteilen

Sehr geehrte Damen und Herren,

die aktuellen Berichte und die öffentliche Diskussion rund um die Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen erfüllen uns mit großer Sorge.

Dabei geht es uns ausdrücklich nicht darum, einzelne Pädagoginnen und Pädagogen anzugreifen oder Schülerinnen und Schüler pauschal in Schutz zu nehmen. Wo Mobbing, Hass, Gewalt oder andere Grenzüberschreitungen stattfinden, muss hingeschaut und gehandelt werden.

Aber genauso deutlich sagen wir: Eine gesamte Schule darf nicht zum deutschlandweiten Skandal abgestempelt werden.

Hinter den Schlagzeilen stehen rund 800 junge Menschen. Viele von ihnen wollen lernen, ihren Schulabschluss schaffen und später etwas aus ihrem Leben machen. Sie dürfen nicht wegen einzelner Vorfälle oder Konflikte das Gefühl bekommen, auf einer vermeintlichen „Skandalschule“ zu sein und deshalb bereits vorverurteilt zu werden.

Besonders kritisch sehen wir die Berichte über eine große Zahl krankgemeldeter Pädagoginnen und Pädagogen. Krankheit ist grundsätzlich keine Ausrede und darf selbstverständlich nicht pauschal unterstellt werden. Sollte es jedoch tatsächlich zu einer geschlossenen Krankmeldung von 17 Pädagoginnen und Pädagogen gekommen sein, stellt sich für uns die ernste Frage, wie die Schülerinnen und Schüler in dieser Situation aufgefangen werden.

Denn sie können nichts dafür.

Sie brauchen Erwachsene, die zuhören. Sie brauchen Ansprechpartner. Sie brauchen Menschen, die ihnen helfen, Konflikte zu lösen, statt sie lediglich zu verurteilen.

Deshalb machen wir ein konkretes Angebot

Die Revolutions Allianz Deutschland bietet der Schule und der Stadt Ludwigshafen an, für eine Woche Streetwork direkt an der Schule zu leisten.

Ich, Till Reichert, bin bereit, mich dieser Aufgabe persönlich zu stellen.

Wir wollen nicht von außen über Jugendliche urteilen. Wir wollen mit ihnen sprechen.

Wir wollen wissen:

Wo liegt das eigentliche Problem?
Warum entstehen Konflikte?
Fühlen sich Schülerinnen und Schüler gehört?
Gibt es Jugendliche, die Angst haben, über ihre Probleme zu sprechen?
Was wünschen sich die Schülerinnen und Schüler selbst?

Vielleicht könnte für eine begrenzte Zeit beispielsweise ein besonderer Schwerpunkt auf Zusammenhalt, Zuhören, Respekt und Konfliktlösung gelegt werden.

Denn manchmal braucht es nicht sofort die nächste Sanktion.

Manchmal braucht es zuerst jemanden, der zuhört.

Wir wollen daran kein Geld verdienen

Unser Angebot erfolgt ausdrücklich nicht aus wirtschaftlichem Interesse.

Sollte die Stadt Ludwigshafen unser Angebot annehmen, erwarten wir lediglich die notwendigen Fahrtkosten sowie – sofern für die Tätigkeit vor Ort erforderlich – eine angemessene Unterkunft, beispielsweise in einer Pension.

Sollte selbst dies nicht möglich sein, werden wir versuchen, das Projekt mit Unterstützung von Menschen zu finanzieren, die unsere Arbeit freiwillig unterstützen möchten.

Wir sind bereit, unsere Zeit einzusetzen, weil wir davon überzeugt sind, dass junge Menschen Unterstützung verdienen.

Keine Angst vor schwierigen Gesprächen

Wir haben keine Angst davor, mit Schülerinnen und Schülern zu sprechen.

Wir haben keine Angst davor, schwierige Fragen zu stellen.

Und wir haben auch keine Angst davor, dorthin zu gehen, wo andere vielleicht lieber wegschauen.

Wir wollen ausdrücklich nicht behaupten, bereits zu wissen, wer an der Situation Schuld trägt. Wir wollen es herausfinden.

Wenn zwei Jugendliche miteinander in einen Streit geraten, muss selbstverständlich geprüft werden, was passiert ist. Gewalt und Mobbing dürfen niemals verharmlost werden.

Aber ebenso wenig darf jeder Konflikt automatisch zu einer bundesweiten Schlagzeile werden, durch die eine gesamte Schülerschaft dauerhaft stigmatisiert wird.

Was soll aus diesen Jugendlichen werden, wenn sie später in ihrem Lebenslauf angeben, wo sie ihren Schulabschluss gemacht haben, und ihnen aufgrund des öffentlichen Images ihrer ehemaligen Schule sofort ein negatives Etikett angeheftet wird?

Das dürfen wir nicht zulassen.

Unser Appell

Wir fordern deshalb keinen öffentlichen Schlagabtausch.

Wir fordern keine Schuldzuweisungen.

Wir fordern eine Chance.

Eine Chance für Gespräche.
Eine Chance für die Schülerinnen und Schüler.
Eine Chance für die Schule.
Eine Chance, die tatsächlichen Ursachen zu verstehen.

Lassen Sie uns eine Woche gemeinsam zuhören.

Wenn sich dabei herausstellt, dass unsere Hilfe nicht benötigt wird, haben wir zumindest den Versuch unternommen.

Wenn sich aber herausstellt, dass Jugendliche tatsächlich jemanden brauchen, der ihnen zuhört, dann könnte aus einem Problem vielleicht ein Anfang für eine Lösung werden.

Die Revolutions Allianz Deutschland steht an der Seite der Schülerinnen und Schüler.

Nicht, weil wir jedes Verhalten gutheißen.

Sondern weil wir daran glauben, dass jeder junge Mensch eine Chance verdient, gehört, ernst genommen und unterstützt zu werden.

Viva la Revolution.

Wir sind laut.
Bleibt laut.

Mit revolutionären Grüßen

Till Reichert
Streetworker
Revolutions Allianz Deutschland